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11.11.2019

Die Kamille – Effektive Hilfe aus dem Pflanzenreich

Wer kennt Sie nicht? Das Hausmittel unserer Großmütter schlechthin: Die echte Kamille (lat. Camomilla).

Weil wir den heilenden dampfenden Kamillentee in unserer Kindheit, meist bei Bauchweh, ans Krankenbett gebracht bekamen, verbinden viele von uns den einzigartigen Geruch der Kamille ausschließlich mit Kranksein. In diesem Fall ist das Trinken des Tees rein aus Genuss undenkbar. Wiederum löst der liebliche Duft des hübschen Korbblütlers bei anderen das Gefühl von Fürsorge, Geborgenheit und Vertrauen aus. Denn es war nicht nur der Kamillentrunk an sich, sondern auch die tröstenden Worte der Erwachsenen („Trink, dann bist du Morgen wieder gesund.“), die das Bauchweh vertrieben und uns schnell wieder gesund werden ließen.

Was auch immer man für ein „Kamillentyp“ ist: Die Kamille ist eine der heilkräftigsten Pflanzen, die wir haben. Es gibt kaum eine Heilpflanze, die in Ihrer Heilwirkung derart gut untersucht ist wie die echte Kamille.

Von einer chemischen Analyse wie sie heute möglich ist, wussten die alten römischen, ägyptischen und griechischen Heilkundler noch nichts. Dennoch verordneten auch sie den Kranken schon den guten alten Kamillentee. Es wird sogar vermutet, dass schon in der Steinzeit die Kamille als heilendes Kraut Verwendung fand. Auch heute noch wird die Kamille von vielen Menschen als lindernder Trunk bei allerlei Unterleibsbeschwerden als Erstmaßnahme eingesetzt. Der lateinische Gattungsname Matricaria ist abgeleitet von den lateinischen Worten mater=Mutter und matrix=Gebärmutter. Und caria bedeutet carus=lieb. Die Matricaria ist also übersetzt das „Kraut der Mutterliebe“ (Fischer-Rizzi). Auch der Volksmund weiß davon zu berichten und nennt die Kamille auch Mutterkraut.

„Die Kraft das Weh im Leib zu stillen,
verlieh der Schöpfer den Kamillen.
Sie blühn und warten unverzagt
auf jemand, den das Bauchweh plagt.
Der Mensch jedoch in seiner Pein
glaubt nicht an das, was allgemein
zu haben ist. Er schreit nach Pillen.
Verschon mich, sagt er, mit Kamillen,
um Gotteswillen!“
(K.H. Waggerl)

Zwar wird die Kamille, ähnlich wie die Schafgarbe, hauptsächlich bei quälenden Unterleibsbeschwerden eingesetzt, aber auch in anderen Bereichen kann sie vielfach punkten. So konnten Ihr in Untersuchungen unter anderem entzündungshemmende, krampflösende, wundheilungsfördernde, antibakterielle, antimykotische, immunstimulierende und antivirale Wirkungen bestätigt werden. Auch konnte ein Wirksamkeitsnachweis gegen den in der Bevölkerung sehr häufig vorkommenden Magenkeim Helicobacter Pylori erbracht werden. (Eine chronische Infektion mit H.Pylori ist ein Risikofaktor für Magenkrebs.)

Aufgrund ihrer Vielseitigkeit kann die Kamille als sehr wirksames Phytopharmakon bei z.B. (entzündlichen) Magen-Darmerkrankungen, bakteriellen Hauterkrankungen, entzündlichen Erkrankungen der Luftwege (Inhalation), Erkrankungen im Anal- und Genitalbereich, schmerzhaften Regelschmerzen u.v.m eingesetzt werden.

Kamille als Infus:

Wichtig ist zu wissen, dass der Beuteltee aus dem nächsten Supermarkt zwar bestenfalls eine Art Placeboeffekt auslösen kann aber aus phytochemischer Sicht so gut wie wertlos ist. Hier werden auch die unteren Stängel - und nicht ausschließlich die Blüten – verarbeitet. Außerdem sind diese Tees oftmals derart mit Chemikalien belastet, so dass der Gebrauch eher schädlich als wohltuend ist. Achten Sie beim Kauf auf Bioqualität und/oder bevorzugen Sie (lose) Teedrogen aus der Apotheke (Arzneibuchqualität).

Die Kamillenrollkur:

Sehr gerne und erfolgreich verordne ich meinen Patientinnen und Patienten die Kamillen-Rollkur, die sich vor allem bei Reizmagen oder entzündlichen Magen-Darmbeschwerden bewährt hat.

Hier eine Anleitung: Grundsätzlich ist wegen des größeren Wirkspektrums eine wässrig-alkoholische Kamillenlösung (z.B. Kamillosan) einer Teezubereitung vorzuziehen. Menschen die keinen Alkohol vertragen oder aus anderen Gründen keinen Alkohol zu sich nehmen, ist die Teezubereitung zu empfehlen.

Variante 1 (Tinktur): 1 – 2 Teelöffel Kamillosan®-Konzentrat in ein Glas (250 bis 300 ml) lauwarmes Wasser geben und trinken.

Variante 2 (Teezubereitung): 1 Esslöffel Kamillenblüten (ca. 3 g) wird mit siedendem Wasser (150 ml) übergossen, zugedeckt und der Tee nach 5 bis 10 Minuten durch ein Teesieb abgegossen.

Für die Anwendung der Kamillen-Rollkur benötigen Sie etwa eine halbe Stunde. Trinken Sie den Kamillentee bzw. die Tinktur. Legen Sie sich dann für 5 Minuten auf die rechte Seite. Danach rollen Sie sich herum und bleiben für 5 Minuten auf dem Bauch liegen. Anschließend weiter rollen und 5 Minuten auf der linken Seite liegen bleiben. Zum Schluss für wiederum 5 Minuten auf dem Rücken liegen bleiben.

Durch die verschiedenen Liegepositionen kommt die komplette Magenschleimhaut mit den Wirkstoffen der Kamille in Kontakt. Eine Nachruhe von einer weiteren halben Stunde ist empfehlenswert. So kommt zusätzlich die beruhigende Wirkung der Kamille zur Geltung.

Im ganzheitlichen Sinne hilft uns die Kamille durch die Rollkur, ähnlich einer Meditation, den Alltagsstress zu bewältigen. So kann die Kamillenrollkur ein tägliches Ritual werden, in dem wir zur Ruhe kommen und bewusst in unseren Körper hineinhorchen können.

Marcel Riedel

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